Der Traum von der Bundesliga: So schaffen es Mädchen bis an die Spitze


17.12.2020
Verband • Frauen- und Mädchenausschuss • Talentförderung • Juniorinnen • DFB-Stützpunktsystem • Schule & Fußball

Die mittlerweile 19-jährige Lina Jubel (l.) trägt nach ihrer fußballerischen Grundausbildung in Neubrandenburg seit 2018 das Trikot des VfL Wolfsburg. [Foto: Getty Images]

Jennifer Zietz, Viola Odebrecht, Stefanie Draws, Stefanie Weichelt oder Susann Utes sind derzeit die Rekordspielerinnen aus Mecklenburg-Vorpommern in der Frauen-Bundesliga. Fünf Gesichter – fünf Persönlichkeiten. Sie alle haben einen ähnlichen Weg bis hin zum ersten Einsatz in der höchsten Spielklasse in Deutschland zurückgelegt. Darüber hinaus schafften Odebrecht und Zietz sogar den Sprung in die Frauen-Nationalmannschaft. Doch wie sieht eigentlich der mögliche Weg bis ganz nach oben für die weiblichen Talente von heute aus?

Gemeinsam Kicken in Schul-AG und im Verein

Am Anfang steht der Kinderfußball. In den Vereinen bzw. in möglichen Schul-AGs trainieren Mädchen und Jungen in der Regel zusammen. Durch das gemeinsame Kicken unter möglichst fach- und altersgerechter Anleitung der Übungs- bzw. AG-Leiter:innen entwickeln sich die Kids sowohl technisch, spielerisch und athletisch als auch persönlich weiter. Die Vereine oder aber auch Auswahlen der talentiertesten Spielerinnen der sechs Kreisfußball- bzw. Fußballverbände (KFV) können bei den vom Landesfußballverband (LFV) organisierten Turnierrunden antreten.

Ab dem Alter von neun bis zehn Jahren beginnt die Talentsichtung bei Spiel- oder Turnierformen oder anderen Veranstaltungen. "In Mecklenburg-Vorpommern ist der Beginn der Reise im Talentförderprogramm des Deutschen Fußball-Bundes im weiblichen Bereich meistens der 1. Mai. An diesem Tag treffen sich die sechs Kreisauswahlen und die in den Regionen gesichteten weiblichen Talente präsentieren ihr Können am Ball. All das passiert mit dem Ziel einer Vorsichtung für eine neu zu formierende U12-Landesauswahl“, erklärt Tilo Berner, der seit mehr als einem Jahrzehnt als Verbandssportlehrer für den weiblichen Bereich im LFV fungiert.

DFB-Stützpunktsystem und Landesleistungszentrum

Der nächste Schritt führt die talentiertesten Akteure dann weiter an einen der derzeit fünfzehn DFB-Stützpunkte im LFV. Hier erhalten sie einmal pro Woche zusätzlich ein individuelles Training mit qualifizierten Stützpunkttrainern, die mindestens im Besitz der Elite-Jugend-Lizenz des DFB sind. Das Stützpunktsystem bildet die Brücke zwischen der unverzichtbaren Jugendarbeit an der zweiten Stufe der Talentförderung. Denn von dort aus werden die Spielerinnen und auch die Erziehungsberechtigten in Entwicklungsgesprächen beraten, inwiefern der Wechsel zu einem Landesleistungszentrum (LLZ) sinnvoll wäre. Während diese bei den Jungen der Weg zum F.C. Hansa Rostock mit den angeschlossenen Eliteschulen des Sports wäre, ist für die Mädchen der 1. FC Neubrandenburg 04 die entsprechende Anlaufstelle und ein mögliches Sprungbrett zugleich. Vormittags- und Nachmittagstraining sind fest im Stundenplan des Sportgymnasiums in der Vier-Tore-Stadt integriert. Für auswärtige Spielerinnen bietet das Internat eine betreute Wohnsituation. Schule und ambitionierter Sport lassen sich somit gut vereinen.

Die besten aus MV im überregionalen Vergleich

Die talentiertesten Spielerinnen aus zwei Jahrgängen nehmen mehrmals im Jahr an den Lehrgängen der jeweiligen Landesauwahlen teil. Diese Maßnahmen dauern bis zu vier Tage. A-Lizenz-Inhaber Tilo Berner und sein Trainergespann fordern die Talente hierbei in verschiedenen Übungs- und Spielformen. Berner erklärt: "Dabei beobachten wir die Spielerinnen genau: Wie gut ist ihre Technik ausgebildet? Welche athletischen Stärken bringen sie mit? Können sie gewisse Spielsituationen taktisch clever lösen? Auch die Aktions- und Handlungsschnelligkeit ist eine wesentliche Komponente des fußballerischen Talents. Neben dem Platz beobachten wir ebenfalls, wie sich eine Spielerin ins Team einbringen kann und welche Persönlichkeitsmerkmale sie mitbringt." Die stärksten Talente vertreten unser Bundesland dann in den jeweiligen Altersklassen (U12, U14, U16, U18) zum einen beim jährlichen nordostdeutschen Vergleich mit den gleichaltrigen Kickerinnen aus Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen oder aber beim DFB-Sichtungsturnier aller 21 Landesverbände. "Hier besteht die Chance, sich für die U-Nationalmannschaften anbieten und somit den nächsten Schritt der Eliteförderung zu gehen.“

In jüngster Vergangenheit ist Lina Jubel der beste Beweis für den Erfolg des Ausbildungsprogramms in Mecklenburg-Vorpommern. Sie kam über das Stützpunkttraining zum LLZ Neubrandenburg. Beim 1. FC Neubrandenburg 04 sammelte sie in 43 Spielen der B-Juniorinnen Bundesliga Nord/Nordost genug Spielpraxis, um dann in den Farben der deutschen U-Nationalmannschaften (U15, U16, U17) insgesamt 25 Partien zu bestreiten. Seit ihrem Wechsel zum VfL Wolfsburg im Jahr 2018 kommt sie in der zweiten Mannschaft der Wölfinnen regelmäßig in der 2. Frauen-Bundesliga zum Einsatz.

Vorhande Strukturen nutzen und stärken

Tilo Berner resümiert: "Die Strukturen für die Talentförderung im weiblichen Bereich sind in MV vorhanden. Allerdings können sie aufgrund der fehlenden Breite kaum ausreichend genutzt werden. Hauptursache ist aus meiner Sicht, dass es zu wenig ehrenamtliche Trainer:innen mit einer Affinität für den Mädchen- und Frauenfußball gibt. Die Talentsichtung in unserem Verband ist trotz der demografischen Voraussetzungen engmaschig, jedoch mangelt es an der Durchlässigkeit und an der Perspektive für die Talente. Ein weiterer Punkt für die geringe Anzahl an Spielerinnen scheint immer noch die mangelnde Akzeptanz des 'weiblichen Fußballs' in der Gesellschaft zu sein." Deshalb sollte es in den nächsten Jahren ein Ziel der Vereine sein, dass Fußball keine Geschlechterfrage bleibt, sondern Mädchen genauso wie die Jungen ihrer Leidenschaft nachgehen können.


Tilo Berner (40 Jahre, l.), hier bei einer früheren Auswahlmaßnahme, ist seit 2009 Verbandssportlehrer des weiblichen Bereichs im LFV und appelliert an alle Vereine: "Mädchen brauchen die gleichen Chancen wie die Jungen".


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