"Immer wieder um Akzeptanz kämpfen und Vorurteile ausräumen"


02.07.2019
Spielbetrieb • Frauen • Juniorinnen

Die AFM-Vorsitzende Ulrike Balzer (r.) spricht über die Situation im Frauen- und Mädchenfußball in Mecklenburg-Vorpommern.

Das Jahr 2019 ist für den Frauenfußball ein ganz besonderes. Einerseits findet vom 7. Juni bis 7. Juli die FIFA-Weltmeisterschaft in Frankreich statt, andererseits geht es in eben diesem Turnier auch um die Startplätze für das olympische Turnier 2020 in Tokio.

Wie beurteilt nun jedoch Ulrike Balzer, Vorsitzende des Ausschusses für Frauen- und Mädchenfußball beim Landesfußballverband Mecklenburg-Vorpommern (LFV M.-V.), die aktuelle Entwicklung des Frauenfußballs – regional, national und international? Im Interview spricht die 35-jährige Grundschullehrerin über die Situation und den Stellenwert des Mädchen- bzw. Frauenfußballs in M.-V., die hiesige Nachwuchsarbeit und die aktuelle WM in Frankreich.

Frage: Wie läuft es derzeit im Mädchen- und Frauen-Fußball in M.-V.? Wie beurteilen Sie die dortige Entwicklung?

Ulrike Balzer: Im Landesfußballverband Mecklenburg-Vorpommern haben wir erstmals von den F-Juniorinnen (sechs Jahre) bis zu den Ü35-Frauen verschiedene Spielangebote. Dabei sammeln insbesondere die Mädels ihre ersten Erfahrungen oft gemeinsam mit den Jungs. Nun gilt es, diese an den Fußball zu binden und Perspektiven in ihren Vereinen zu geben. Denn oft ist es so: Nur dort, wo sich jemand für den Mädchen- und Frauenfußball interessiert, gibt es ihn auch. Um mehr Aufmerksamkeit bzw. Interesse wecken zu können, müssen wir allerdings noch mehr Spielerinnen im Alter von sechs bis zehn Jahren für den Fußball gewinnen. Umso mehr freut es uns, wenn Vereine wie der FC Seenland in Warin oder der Penzliner SV – als aktuelle Beispiele – neue Mädchen- oder Frauenteams gründen.

Welches sind die Zentren des Mädchen- und Frauenfußballs in M.-V.? Welche Vereine haben dabei eine besonders erfolgreiche Nachwuchsarbeit?

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es das Landesleistungszentrum in Neubrandenburg, das ähnliche Strukturen wie der F.C. Hansa Rostock für die Junioren hat. Dort werden unsere talentiertesten Spielerinnen mit Frühtraining am Sportgymnasium gefördert und nachmittags beim 1. FC Neubrandenburg 04 weiter ausgebildet.

Während es im Frauenbereich ca. 40 Mannschaften auf dem Klein- und Großfeld gibt, haben nur sehr wenige Vereine im Land reine Mädchenmannschaften. Hier sind vor allem der TSV 1860 Stralsund, der Rostocker FC und der FSV 02 Schwerin zu nennen, die sogar mindestens zwei bis drei Mädchenmannschaften im Nachwuchsbereich aufgebaut haben.

Aber auch der Lübzer SV, Anker Wismar und der Penzliner SV engagieren sich bereits seit vielen Jahren für den Mädchenfußball und werden dies auch zukünftig tun. Die Mädels von Rastow und Ludwigslust werden in der kommenden Saison beispielsweise als Spielgemeinschaft in der AOK-Verbandsliga der B-Juniorinnen antreten. Ein gutes Beispiel dafür, dass im weiblichen Bereich vor allem lösungsorientiert gedacht wird, um den Mädels das Fußballspielen auch weiterhin zu ermöglichen.

Wie beurteilen Sie die Bedeutung und den Stellenwert des Mädchen- und Frauen-Fußballsportes in der Sportlandschaft von M.-V.?

Der Mädchen- und Frauenfußball ist eine Randsportart innerhalb der Sportlandschaft von Mecklenburg-Vorpommern. Gerade weil es nicht so viele Teams gibt, muss dieser immer wieder um Akzeptanz kämpfen und Vorurteile ausräumen. Doch gerade die Höhepunkte, wie die Hallenlandesmeisterschaften oder die Endspiele des Landespokals werden medial unter anderem von NDR oder den Regionalzeitschriften wahrgenommen und präsentiert.

Inzwischen ist die Frauenfußball-WM 2019 in der "heißen Phase". Was beurteilen Sie das Niveau des Turniers?

Während der WM haben wir viele spannende Spiele mit hohem Spieltempo und großartigen Technikaktionen gesehen. Eine tolle Werbung für den Frauenfußball sowie ein klares Indiz dafür, wie sich der Frauenfußball insbesondere in den letzten vier Jahren in allen 24 teilnehmenden Nationen weiter entwickelt hat. Auch die deutsche Nationalmannschaft hat sich spielerisch gut verkauft und sich – auch neben dem Platz – sympathisch präsentiert.

Mal schauen, ob jetzt das eine oder andere Mädchen vor dem Bildschirm motiviert wurde, selbst die Fußballschuhe anzuziehen. Spannend bleibt, wer sich in den Halbfinals durchsetzt. Denn alle vier Teams, die USA, England, die Niederlande und Schweden, haben sowohl in der Defensive und Offensive überzeugt.

Meine Favoriten für den Einzug ins Finale sind die USA und die Niederlande, wobei die Damen aus der USA bereits seit Beginn der WM äußerst spielstark nach vorn kombinieren und äußerst effektiv vor dem Tor agieren.

Welche Nachwuchs-Spielerinnen aus M-V haben derzeit gute Perspektiven für eine DFB-Nationalmannschaft?

Die Top-Talente aus M.-V. wechseln zurzeit bereits ab dem Jahrgang der C-Juniorinnen in die Clubs mit Bundesliga-Mannschaften, z.B. zu Turbine Potsdam, zum VfL Wolfsburg oder auch zum Magdeburger FFC bzw. RB Leipzig.

Für uns ist es bereits ein Erfolg im Bereich der Talentförderung, wenn sie diesen Schritt erfolgreich gehen und dort sich zu Stammspielerinnen entwickeln. Genauso erfreulich ist, dass es bei der Landesauswahl immer wieder Spielerinnen schaffen, eine Einladung zum DFB-Lehrgang zu erhalten.

Das Gespräch führte Marko Michels.

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