Beim mittlerweile 3. Fachtag kamen am Samstag rund 80 äußerst engagierte Teilnehmende aus vielen MV-Vereinen in der Sportschule am Yachthafen Warnemünde zusammen. Sowohl qualitativ als auch quantitativ zeigte das Beteiligungsformat: am Kinder- und Jugendfußball kommen wir nicht vorbei – und ganz ehrlich: das wollen wir auch gar nicht.
Die Zielstellung des Tages wurde direkt zu Beginn ausgerufen: „Wir wollen die Ergebnisse von heute ins Fußballland MV hinaustragen!“ LFV-Präsident Dr. Heiko Lex begrüßte nicht nur die Gäste, sondern auch die Betreuenden der fünf Barcamps mit den Themen „Jugendfußball“, „Mädchenfußball“, „Futsal“, „Bildung“ und„Kinderfußball“. Hier wurde nach den Impulsen auf dem Podium in zwei Runden an konkreten Lösungen für die aufgemachten Entwicklungsfelder gearbeitet – mit tatkräftiger Unterstützung diverser LFV-Funktionäre.
Die spannenden Gäste im ersten Podiumstalk ließen sich nicht lange bitten und Lennart Claussen vom DFB stieg direkt ins sportfachliche Thema ein und verknüpfte es mit einem klaren Auftrag: „Wir haben im Jahr 2019 in Schwerin angefangen, den neuen Kinderfußball, wie wir ihn jetzt kennen, zu testen. Und wir sind froh, dass die Prinzipien nach denen wir jetzt agieren so sind wie sie sind: dass nämlich kein Kind zuhause bleiben mussund dass alle immer (auf ihrem Niveau) spielen.“
Damit dies aber überhaupt möglich ist, braucht es Ehrenamt. Und besonders für das junge Ehrenamt hatte Svea Schultz (Sportjugend MV) ganz pragmatische Tipps im Gepäck:
Wenn ihr als Verein langfristig junge Menschen aktivieren möchtet, dann müsst ihr diese in eurem Verein direkt ansprechen. Ihr seht, wo Talent verborgen ist und ich kann euch sagen, dass ihr nur durch Ansprache ganze Sportbiographien mitschreiben könnt.
– Svea Schultz, Sportjugend MV
Sie fügte weiterhin an: “Strategisch betrachtet ist aber klar: für das alles braucht man vor allem Zeit und es hilft, wenn man projektorientiert auf junge Sportler:innen schaut. Multisportives Denken ist ein weiterer Schlüssel, man möge sich dazu z.B. einfach mal Olympiakarrieren ansehen.“ Die Nachwuchsspielerinnen Lina Buchholz und Alina Ihde (Müritzer Fußballmädels) antworteten auf die Frage, wie ihnen der Einstieg in die Fußballwelt gelungen sei: „Unsere Motivation kam zunächst durch Familienmitglieder.“ Und ihre Biographien belegen sogleich die These von Svea Schultz, denn auch sie haben z.T. im Handball angefangen und sind erst später beim Fußball gelandet. Mit den Eindrücken in die Lebenswelt der Jugendlichen startete dann die erste Runde der Arbeitsphase in den Barcamps.
Beim Podiumstalk Nummer zwei stellte Anne Geisler vom Lernort Ostseestadion kurz ihr außerschulisches Bildungsprojekt für Kinder und Jugendliche vor und lud die Anwesenden sogleich ein: „Das Angebot ist für alle Vereine offen. Wir müssen uns dem Fakt stellen, dass die Bedingungen, unter denen die Kinder heutzutage aufwachsen, anders geworden sind. Es sind nicht die Kinder, die anders sind als früher. Und genau darauf haben wir bei uns Antworten. Sport kann nämlich viel mehr als Wettkampf sein. Fußball ist auch eine Grundlage für Werte. Es gibt Regeln, Fairness und natürlich ist Sport damit auch demokratisch und gleichwohl politisch. Denn alles wird stets miteinander verhandelt.”
Als Ansprechpartnerin für alles in Sachen Kinderschutz präsentierte sich den Anwesenden Cornelia Harder vom Kinderschutzbund MV: „Die größte Gefahr ist, sich so etwas wie einem Schutzkonzept gar nicht erst zu widmen bzw. einfach nicht damit anzufangen. Natürlich sind Vereine ab und an mit diesen Themen überfordert, aber durch Sensibilisierung der Akteur:innen kann man konkret etwas tun. Es gibt Strategien, die man anwenden kann, um sich sowohl selbst als auch den Sportler:innen zu helfen.“
In dieselbe Kerbe schlug Monika-Maria Kunisch vom Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung: „Sportvereine müssen Schutzräume sein, auch wenn es um sportlichen Erfolg geht. Ein präventiver Schlüssel ist: hinsehen, aufklären, handeln und nicht davon ausgehen, dass falsche Handlungen im eigenen Verein schon nicht passieren werden.“ Für Vereine, die sich bereits in diesem Bereich engagieren, erinnerte sie an die Teilnahme an der Verleihung des Sonderpreises “Sport statt Gewalt”, die noch bis zum 1. Mai möglich ist.
Bereits im “Besitz” eines Kinderschutzkonzeptes ist Marko Kühl (Vorstandsvorsitzender SV Dassow 24). Er merkte allerdings an: „Ein Schutzkonzept ist permanent in Bewegung. Auch die kommunale Politik und die Gemeinde muss beim Agieren mit ins Boot geholt werden. Schließlich arbeiten wir nicht nur mit Personen, sondern müssen auch mit den Räumlichkeiten, die uns zur Verfügung gestellt werden, agieren. Hier gibt es Gegebenheiten, die kindgerecht sein können und solche, die es nicht sind.”
Auch die umfassenden Inhalte des zweiten Barcamps werden im Nachgang in konkrete Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendfußballs in Mecklenburg-Vorpommern zusammengefasst und in die zukünftige Verbandsarbeit einfließen.
Wir bedanken uns ausdrücklich für die Teilnahme und den wertvollen Input unserer Vereine und Netzwerkpartner:innen!