Seit mehr als zehn Jahren verbindet der Schiedsrichteraustausch die Landesfußballverbände Mecklenburg-Vorpommern (LFV) und Saarland (SFV). Das jährlich stattfindende Programm bietet ausgewählten Schiedsrichtern die Möglichkeit, über den Fußball hinaus Einblicke in ein anderes Bundesland zu gewinnen, neue Menschen kennenzulernen und gemeinsam kulturelle sowie sportliche Erfahrungen zu sammeln. Nachdem im vergangenen Jahr die saarländischen Schiedsrichter zu Gast in Mecklenburg-Vorpommern waren und unter anderem die Hanse Sail erleben konnten, führte die diesjährige Reise die Delegation aus dem Nordosten ins Saarland.
Zur Delegation gehörten Delegationsleiter Matthias Bastian, Torsten Koop (Schiedsrichterobmann MV), sowie die Schiedsrichter Danny Gerth, Domenick Müller, Jan Porstner, Lars Ole Schumacher, Lennox Kjiell Martin und Samuel Riebau.
Herzlich Willkommen im Saarland
Nach einer rund zehnstündigen Anreise erreichte die Delegation am frühen Abend ihre Unterkunft am Saarbrücker Hauptbahnhof. Dort wurden die Gäste von Dr. Vollkmar Fischer (Regionalschiedsrichter-Obmann), Thorsten Braun, (Verbandsschiedsrichterobmann SFV), und Alexander Stolz (Mitglied des SFV-Schiedsrichterausschusses für Öffentlichkeitsarbeit), herzlich empfangen.
Nach einer kurzen Begrüßung und dem Bezug der Zimmer blieb nicht viel Zeit zum Verschnaufen. Bei einem gemeinsamen Abendspaziergang durch Saarbrücken konnten die ersten Eindrücke der saarländischen Landeshauptstadt gesammelt werden, bevor der Tag bei einem gemeinsamen Abendessen ausklang.
Unter Tage, Street Art und das traditionelle „Länderspiel“
Am zweiten Tag wartete bereits das erste große kulturelle Highlight. Im Erlebnisbergwerk Velsen erhielten die jungen Schiedsrichter einen eindrucksvollen Einblick in die Geschichte des Bergbaus im Saarland. Das stillgelegte, für Besucher aufbereitete Bergwerk vermittelte dabei einen authentischen Eindruck von der Arbeit „unter Tage“. Neben der Fahrt mit originalen Transportwagen konnten die Teilnehmer auch historische Arbeitsgeräte ausprobieren und auf diese Weise hautnah erleben, unter welchen Bedingungen die Bergleute früher gearbeitet haben. Die Führung bot damit nicht nur spannende Einblicke in die saarländische Industriegeschichte, sondern auch reichlich Gelegenheit für gemeinsame Erlebnisse.
Nach einer kurzen Mittagspause ging es weiter in die Saarbrücker Innenstadt. Beim sogenannten „Art Walk“ entdeckte die Delegation zahlreiche Graffiti-Kunstwerke von Künstlern aus aller Welt. Der 2017 entstandene Rundgang machte deutlich, wie vielfältig und kreativ sich das Stadtbild Saarbrückens entwickelt hat.
Am Abend stand schließlich ein fester Bestandteil des Austauschprogramms auf dem Programm: das traditionelle „Länderspiel“ der beiden Landesfußballverbände. Dabei treten Schiedsrichter aus Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland in einem Kleinfeldspiel gegeneinander an. Die Bilanz der vergangenen Jahre sprach eigentlich deutlich für die Mannschaft aus Mecklenburg-Vorpommern – in diesem Jahr sollte es jedoch anders kommen.
Bei hochsommerlichen Temperaturen und ohne Wechselspieler zeigten die MV-Referees zwar eine gute Leistung, mussten sich am Ende jedoch mit 1:3 geschlagen geben. Auch beim anschließenden Quiz behielten die Saarländer die Oberhand. Damit ging der diesjährige „Länderkampf“ mit 2:0 an das Saarland. Das Ergebnis rückte beim anschließenden gemeinsamen Grillabend allerdings schnell in den Hintergrund. Viel wichtiger war das gesellige Beisammensein, bei dem sich die Teilnehmer beider Verbände noch besser kennenlernten und die freundschaftliche Verbindung weiter vertieften.
Auf den Spuren von Kelten und Römern
Am Freitag stand erneut die Geschichte der Region im Mittelpunkt. Unter dem Motto „Auf den Spuren von Kelten und Römern“ ging es nach Reinheim in den Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. Bei einer spannenden Führung durch das weitläufige Gelände erhielten die Teilnehmer einen Einblick in das Leben und Arbeiten der Menschen in der keltischen und römischen Zeit. Dabei wurde eindrucksvoll vermittelt, wie eng die Geschichte der verschiedenen Kulturen miteinander verbunden ist.
Nach dem kulturellen Teil des Tages wurde es sportlicher: Bei einer rund dreistündigen Kanutour konnten die Schiedsrichter die saarländische Natur vom Wasser aus kennenlernen. Dabei blieb selbstverständlich niemand vollständig trocken. Klitschnass und entsprechend ausgepowert ging es anschließend zurück zur Unterkunft.
Am Abend wartete bereits das nächste besondere Erlebnis. Gemeinsam mit den Verantwortlichen des Saarländischen Fußballverbandes ging es zu einer kulinarischen Weltreise. Bei zahlreichen kleinen Gerichten konnten die Teilnehmer Speisen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen probieren. Für viele war diese Form des gemeinsamen Essens eine ganz neue Erfahrung – und eine willkommene Gelegenheit, Gerichte kennenzulernen, die man im Alltag vermutlich nicht ohne Weiteres ausprobiert hätte.
Der Schiedsrichteraustausch mit dem Saarland ist mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil der Schiedsrichterförderung in MV. Es eröffnet allen Beteiligten neue sportliche als auch kulturelle Perspektiven und war wieder einmal ein voller Erfolg.
– Matthias Bastian, Delegationsleiter
Schiedsrichter im Einsatz
Der letzte Tag begann mit einem gemeinsamen Frühstück im „Café Kunstherz“. Anschließend richteten sich die Blicke wieder stärker auf den sportlichen Teil des Austauschs. Die Ansetzungen bei Spielen im jeweils anderen Landesverband sind ein wesentlicher Bestandteil des Programms. Sie ermöglichen den Schiedsrichtern, Erfahrungen unter anderen Rahmenbedingungen zu sammeln und wichtige Erkenntnisse für ihre weitere Entwicklung im heimischen Spielbetrieb mitzunehmen.
Die erste Partie führte das Schiedsrichterkollektiv um Jan Porstner zum Verbandsligaspiel zwischen dem SV Bliesmengen-Bolchen und dem SV Kirrberg. Von Beginn an fiel der positive und respektvolle Umgang aller Beteiligten auf. In einer torreichen Partie setzte sich der Gastgeber am Ende mit 6:1 durch. Das Schiedsrichterteam um Jan Porstner zeigte dabei eine ansprechende Leistung und wurde vom saarländischen Beobachter Thorben Rech, Verbandsschiedsrichterlehrwart des Saarlandes, entsprechend positiv bewertet.
Auch die zweite Partie zwischen dem FC Rastpfuhl und dem FV Eppelborn in der Saarlandliga verlief planmäßig. In einem spannenden Spiel hatte das Schiedsrichterkollektiv um Samuel Riebau die Partie jederzeit im Griff und konnte mit der eigenen Leistung entsprechend zufrieden sein. Dies bestätigte auch Alexander Stolz im anschließenden Auswertungsgespräch.
Beide Spiele zeigten damit eindrucksvoll, welchen Mehrwert der Austausch auch für die sportliche Entwicklung der jungen Schiedsrichter bietet. Gleichzeitig standen auch auf dem Platz der respektvolle Umgang und die gegenseitige Wertschätzung im Mittelpunkt.
Fazit
Nach einer etwas kürzeren Nacht hieß es schließlich Abschied nehmen. Die MV-Delegation trat die rund zehnstündige Heimreise an – mit zahlreichen Eindrücken und Erinnerungen im Gepäck.
Der diesjährige Schiedsrichteraustausch hat einmal mehr gezeigt, was die besondere Verbindung zwischen dem Saarländischen Fußballverband und dem Landesfußballverband Mecklenburg-Vorpommern ausmacht. Das Austauschprogramm ist weit mehr als ein sportlicher Vergleich. Es verbindet Schiedsrichter verschiedener Regionen, schafft neue Freundschaften und ermöglicht Einblicke in die Geschichte, Kultur und Lebensweise des jeweils anderen Bundeslandes.
Für Delegationsleiter Matthias Bastian war die Reise erneut ein voller Erfolg. Er zeigte sich begeistert von den gemeinsamen Tagen und freut sich bereits auf das kommende Jahr, wenn die saarländische Delegation wieder an die Ostseeküste reist.
Auch das Fazit der jungen Schiedsrichter fiel durchweg positiv aus. Neben wertvollen Erfahrungen für ihren weiteren Weg als Referees nehmen sie vor allem eines mit: viele gemeinsame Erlebnisse, neue Bekanntschaften und die Erkenntnis, dass die Leidenschaft für den Fußball Menschen über Ländergrenzen hinweg verbindet.