Am vergangenen Wochenende kamen der Schiedsrichter-Förderkader und der Anschlusskader zu einem gemeinsamen Lehrgang in der Sportschule Warnemünde zusammen. Ziel der Veranstaltung war es, den neu formierten Anschlusskader kennenzulernen und den Austausch mit dem bereits länger bestehenden Förderkader zu fördern. Die Lehrgangsleitung übernahmen Andreas Neumann (Vorsitzender des Verbandsschiedsrichterausschusses), Jan Scheller (Lehrwart) und Matthias Bastian (Headcoach).
Der Förderkader umfasst derzeit 13 Schiedsrichter aus ganz Mecklenburg-Vorpommern, von denen am ersten Lehrgangstag allerdings nur neun anwesend waren. Der Anschlusskader wurde im Vergleich zur Vorsaison deutlich verkleinert und neu strukturiert. Aktuell gehören ihm neun Schiedsrichter an. Bedauerlicherweise ist derzeit keine Frau im Talentförderungsprogramm vertreten.
Am Samstag startete der Lehrgang zunächst mit den Schiedsrichtern des Förderkaders. Nach der Anreise und einer kurzen Einführung in den Ablauf der kommenden zwei Tage stand der erste Impulsvortrag auf dem Programm. Inhaltlich ging es um die Zusammenarbeit zwischen Schiedsrichter (SR) und Schiedsrichterassistent (SRA) sowie um die Bedeutung einer abgestimmten Teamkommunikation.
Als Überraschungsgast konnte hierfür René Rohde begrüßt werden, der als Bundesliga-Schiedsrichterassistent tätig ist und bereits als Schiedsrichter in der 2. Bundesliga Erfahrungen gesammelt hat. In seinem Vortrag beleuchtete er unter anderem die Bedeutung von Teamarbeit über die eigentliche Schiedsrichterei hinaus und gewährte den Teilnehmern persönliche Einblicke in prägende und herausfordernde Phasen seiner Karriere. Die jungen, talentierten Schiedsrichter konnten dabei wertvolle Impulse für eine optimale Spielvorbereitung mitnehmen und im Anschluss eigene Fragen stellen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Umgang mit Fehlern und den daraus zu ziehenden Lehren. Insgesamt überzeugte der Vortrag durch seine Offenheit und Praxisnähe und wurde von den anwesenden Schiedsrichtern als äußerst wertvoll empfunden.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen stand für die neun anwesenden Schiedsrichter die praktische Umsetzung auf dem Platz an. Im Rahmen des Lehrgangs wurden drei Teams gebildet, die jeweils eine Partie leiteten. Ein Team reiste nach Sievershagen, um das Landesliga-Spiel zwischen dem Sievershäger SV und dem SV Plate zu leiten. Ein weiteres Team übernahm die Spielleitung bei der Begegnung zwischen dem FC Förderkader René Schneider und dem 1. FC Neubrandenburg 04. Das dritte Team war beim Verbandsliga-Duell zwischen dem FSV Kühlungsborn und dem SV Pastow in Kühlungsborn im Einsatz.
Alle drei Partien wurden von Beobachtern begleitet, anschließend analysiert und in großer Runde in der Sportschule ausführlich nachbesprochen. Darüber hinaus wurde die Begegnung beim FC Förderkader aufgezeichnet, um eine zusätzliche Videoanalyse zu ermöglichen. Auf diese Weise konnten die Schiedsrichter ihre Entscheidungen reflektieren, individuelle Entwicklungspotenziale erkennen und konkrete Erkenntnisse für ihre zukünftigen Einsätze gewinnen.
Im Anschluss an die Spielauswertungen ließen die Schiedsrichter den ersten Lehrgangstag gemeinsam mit Matthias Bastian (Verantwortlicher für die Talentförderung) und Jan Scheller (Lehrwart) bei einem Abendessen im Wenzel in Warnemünde ausklingen. In angenehmer Atmosphäre bot sich die Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen, über vergangene und aktuelle Erlebnisse zu sprechen und den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe weiter zu stärken. So klang der erste Tag in geselliger Runde aus.
Tag 2
Am zweiten Lehrgangstag stießen nach dem Frühstück auch die Schiedsrichter des Anschlusskaders zur Gruppe hinzu. Nach einer kurzen gemeinsamen Begrüßung ging es zügig zum Sportplatz in Kritzmow, wo der Fitnesstest auf dem Programm stand. Dieser bestand aus einem Sprinttest und dem FIFA-Test. Nachdem die Anforderungen größtenteils erfolgreich absolviert worden waren, kehrte die Gruppe zur Sportschule zurück. Dort standen nach dem Auszug aus den Zimmern zunächst das gemeinsame Mittagessen und anschließend die regeltechnischen Überprüfungen an.
Bei der Regelüberprüfung waren die jungen Schiedsrichter erneut gefordert. Diese setzte sich aus zwei Teilen zusammen: einem theoretischen Teil mit Fragen zu den Fußballregeln und einem anschließenden Videotest. Von den insgesamt 40 möglichen Punkten mussten mindestens 32 erreicht werden, um die Überprüfung erfolgreich zu bestehen.
Nachdem auch dieser Programmpunkt abgeschlossen war, folgte ein weiterer Impulsvortrag eines externen Referenten. Zu Gast war Thorben Kiehl, ehemaliger Schiedsrichter und unter anderem als Deeskalationstrainer tätig. In seinem Vortrag zum Thema „Kommunikative Deeskalation, Wahrnehmung und Körpersprache“ vermittelte er den jungen Schiedsrichtern wertvolle Ansätze für den Umgang mit schwierigen Situationen auf dem Platz. Besonders hilfreich waren dabei die konkreten Werkzeuge, die er ihnen an die Hand gab, um Diskussionen künftig frühzeitig vorzubeugen und in kritischen Situationen deeskalierend einzugreifen.
Im Mittelpunkt standen dabei vor allem der Tonfall und die eigene Körpersprache. Beide Faktoren spielen eine entscheidende Rolle in der Kommunikation und können maßgeblich dazu beitragen, ob eine Diskussion eskaliert oder sich beruhigt. Gerade für junge Schiedsrichter sind diese Erkenntnisse von großer Bedeutung, um auch in emotionalen Spielsituationen souverän aufzutreten und Konflikte frühzeitig zu entschärfen.
Nach dem Vortrag standen die abschließende Auswertung des Lehrgangs sowie die Besprechung der Ergebnisse der regeltechnischen Überprüfungen auf dem Programm. Darüber hinaus erhielten die Schiedsrichter einen Ausblick auf die anstehenden Termine und die Ziele für die laufende Saison.
Das Fazit der Lehrgangsleitung fiel insgesamt positiv aus. Der gemeinsame Lehrgang bot sowohl dem Förder- als auch dem Anschlusskader die Möglichkeit, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln, voneinander zu lernen und wichtige Impulse für die bevorstehenden Aufgaben auf dem Platz mitzunehmen.
Eine Insgesamt tolle Veranstaltung mit vielen neuen Erfahrungen und Impulse für die jungen Schiedsrichter. Gerade die externen Referenten konnten durch ihren Beitrag viele Hilfestellungen für die Zukunft geben.
– Matthias Bastian, Headcoach