Deutscher Meister im Blindenfußball in Rostock gekürt


14.09.2016
Verband • Soziales • Integration • Sepp-Herberger-Stiftung

Der alte und neue Deutsche Meister im Blindenfußball heißt Sportfreunde Blau-Gelb Blista Marburg. Vor rund 1000 Zuschauern feierten die Nordhessen bei hochsommerlichen Temperaturen am Samstag in Rostock den Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Blindenfußball. Nach einem 2:0-Sieg über den MTV Stuttgart schloss der alte und neue Deutsche Meister die Saison 2016 ohne Punktverlust ab. Um 18 Uhr überreichten DFB-Vizepräsident Eugen Gehlenborg und DFB-Vorstandsmitglied Joachim Masuch auf dem Neuen Markt in Rostock die Meisterschale an die beste Blindenmannschaft Deutschlands.

„Der Fußball grenzt nicht aus. Unsere Aktivitäten beim Handicap-Fußball sind immer inklusiv ausgerichtet. Ziel ist es, behinderte Menschen in ganz normale Fußballvereine einzugliedern“, sagte Gehlenborg, der im DFB-Präsidium die Themen der Nachhaltigkeit vertritt und extra nach Rostock gereist war, um den alten und neuen Meister Marburg zu ehren. Der Niedersachse ist Vorsitzender der Sepp-Herberger-Stiftung, die zusammen mit dem Deutschen Behindertensportverband sowie dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband den Ligabetrieb seit dem Jahr 2008 organisiert.

Wie am Samstag auf dem Neuen Markt mitten in der Rostocker City, werden einzelne Spieltage der Liga auf den großen Plätzen in den Innenstädten ausgetragen. Mit dem FC St. Pauli, 1860 München und Schalke 04 sind gleich drei Klubs aus der „sehenden“ Bundesliga mit einem Team in der Liga vertreten. Titelverteidiger Marburg, dem schon vor dem Spieltag die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen war, feierte den vierten Titelgewinn seit Gründung der DBFL. Die DBFL ist die einzige nationale Fußballliga für blinde und sehbehinderte Menschen in Europa.

Packender Schlagabtausch im Spitzenspiel

„Wir haben es verdient. Wir haben das ganze Jahr über super trainiert. Gerade dieses Jahr ist nochmal eine ganz neue Dynamik in meiner Mannschaft entstanden“, sagte Meistertrainer Peter Gößmann, der in Rostock auf einen seiner besten Spieler verzichten musste. Stürmer Taime Kuttig hatte aufgrund eines Fiebers auf die Fahrt nach Rostock verzichten müssen.

Beim direkten Duell zwischen Marburg und dem DBFL-Rekordmeister Stuttgart, das am Samstag zur besten Fußballzeit um 15 Uhr angestoßen wurde, ging es nochmal hoch her. Immerhin, für den MTV Stuttgart war der 2. Platz noch möglich, und trotzdem man – wieder einmal – nur mit der Minimalbesetzung von vier Feldspielern angereist war, gingen die Schwaben mit größtem Einsatz zur Sache. In Durchgang eins lieferten sich die beiden Topteams einen packenden Schlagabtausch. „Der Blindenfußball wird immer körperlicher, immer härter. Die Rivalität zwischen uns und den Stuttgartern ist groß“, sagte Gößmann. Der Marburger Alican Pektas und Stuttgarts Alexander Fangmann ballerten aus allen Lagen. Und die Zuschauer in Rostock applaudierten begeistert, darunter auch Hansa-Legende Juri Schlünz. Obwohl nach einer Roten Karte für Lukas Smirek in Unterzahl, ging Stuttgart Mitte der zweiten Halbzeit sogar in Führung. Alexander Fangmann donnerte den Rasselball aus kurzer Distanz links oben ins Tor.

Chemnitz Zweiter, St. Pauli wird Dritter

Doch dann passierte zweierlei: Stuttgarts Florian Günther konnte wegen Kreislaufproblemen nicht mehr weiterspielen. Und als Mulgheta Russom den schnellen Pektas von den Beinen holte und dafür des Feldes verwiesen wurde, stand Fangmann einsam und alleine auf dem Platz. Stuttgart war nicht mehr spielfähig. Die Konsequenz: Spielabbruch und eine 2:0-Wertung für Marburg.

Durch die Niederlage der Stuttgarter rutschte der Chemnitzer FC auf den 2. Platz, den dritten Platz in der Abschlusstabelle belegte der FC St. Pauli, der damit seine beste Platzierung in der Liga einfuhr.

Bester Torschütze der Saison war der erst 16-jährige Jonathan Tönsing vom FC St. Pauli mit 15 Toren. Als bester Spieler der Saison wurde Stuttgarts Alexander Fangmann ausgezeichnet.

Alle Ergebnisse und die Abschlusstabelle sind unter www.blindenfussball.de abrufbar.


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