"Vereinsfußball ist mehr als nur 90 Minuten am Wochenende"


10.03.2021
Verband • Spielausschuss • Spielbetrieb • Verbandsliga • Landespokal • Ehrenamt

Fußball bestimmt sein Leben: Robert Braun (31) will seine Leidenschaft im Rahmen der Vereinsberatung mit den Vertreter:innen der Klubs teilen und die Entwicklung der Vereine unterstützen.

Robert Braun ist 31 Jahre alt und kommt aus Rostock. Nach seinem abgeschlossenen Fernstudium der Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Marketing und Controlling arbeitet er seit Beginn des Monats hauptberuflich als Berater in der Hansestadt. Seine Aufgabe dort: "Junge, technologieorientierte Unternehmen aus der Life Science Branche für den Standort Rostock zu begeistern. Ein wesentlicher Faktor ist hier die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft in unserer schönen Stadt Rostock." Zugleich ist Robert Braun seit Jahresanfang Vereinsberater des Landesfußballverbandes Mecklenburg-Vorpommern (LFV).


Interview mit Robert Braun

lfvm-v.de: Herr Braun, Sie sind einer von sechs Vereinsberatern des LFV. Was verbirgt sich inhaltlich hinter dieser Funktion?

Robert Braun: Im Kern besteht meine Aufgabe darin, mit den Vereinen gemeinsam Lösungen zu allen Herausforderungen abseits des Spielfeldes zu erarbeiten. Sei es zur Stärkung des Ehrenamts im Verein, zu gesellschaftlichen Themen wie beispielsweise Vielfalt, Toleranz oder Umweltschutz, Kooperationen mit Kitas und bzw. oder Schulen zum Ausbau des Jugendbereichs oder Qualifizierungen für Schiedsrichter:innen und Trainer:innen im Verein. Dabei stehen immer die Entwicklung und die Zukunftsfähigkeit des jeweiligen Vereins im Mittelpunkt. Für mich spielt es keine Rolle, welche Mitgliederzahlen der Verein hat, welcher Spielklasse er angehört und ob sich der Verein in der Stadt oder eher im Ländlichen befindet. Ich möchte die Ehrenamtlichen in den Vereinen unterstützen, ihre Vorhaben umzusetzen bzw. auch um auf wichtige Themen wie den Kinderschutz aufmerksam zu machen. Aus den hoffentlich entstehenden Entwicklungen sollen letztlich die Mitglieder in den Vereinen profitieren.

Worin sehen Sie die konkreten Vorteile für die Vereine?

Die Beratung hat mehrere Vorteile. Zum einen lernen die Vereine, wie sie Ehrenamtliche gewinnen und binden können, ohne die sie früher oder später untergehen würden. Zum anderen zeige ich auf, wie der Verein Jugendspieler:innen gewinnen kann, um zukunftsfähig zu sein, was Nachwuchs und finanzielle Einnahmen angeht. Aber auch die Vermeidung von Geldstrafen und Punktabzügen durch fehlende Schiris dürfte ein Anreiz sein. Auch die facettenreichen gesellschaftlichen Themen wie Vielfalt, Toleranz oder Gesundheit werten die allgemeine Zufriedenheit im Verein auf. Das spricht sich rum und bringt neue Mitglieder. Es kann unzählige Vorteile geben. Die finden wir jedoch am besten im individuellen Gespräch heraus. Ich kann nur jeden Verein dazu ermutigen, dieses Freilos nicht verstreichen zu lassen und sich – im Sinne der Mitglieder – für eine Vereinsberatung zu öffnen.

Wie sind Sie seinerzeit auf die Stelle aufmerksam geworden und was hat letztlich den Ausschlag gegeben, sich zu bewerben?

Ursprünglich habe ich mich nach meinem Studium im August 2020 die Stelle des Koordinators der sechs Vereinsberater in der Geschäftsstelle beworben. Nachdem Lars (Arnhold/d. Red.) das Rennen verdientermaßen gemacht hatte, fragte mich der damalige LFV-Geschäftsführer Bastian Dankert, ob ich Lust hätte, die Beratung im Kreis Warnow zu übernehmen. Ich spiele seit 25 Jahren Fußball im Kreis Warnow und kenne daher viele Vereinsvertreter:innen und weiß auch um so manche Probleme in den Vereinen. Auf dem Platz gebe ich alles für die Lok (Robert Braun hat eine Spielberechtigung für den ESV Lokomotive Rostock/d. Red.), aber neben dem Platz möchte ich, dass die bunte Vereinslandschaft erhalten bleibt und jeder Verein seine Einzigartigkeit behält. Denn Vereinsfußball ist mehr als nur 90 Minuten am Wochenende. Das hat mich motiviert und motiviert mich auch zukünftig.

Gibt es Kernthemen, die Ihnen im Rahmen der Vereinsberatung besonders am Herzen liegen?

Ja, die Stärkung des Ehrenamts und die Verteilung der Aufgaben auf viele Schultern. Dann ganz klar der Kinderschutz. Ich möchte, dass Vereine mit mindestens einer Jugendmannschaft gemeinsam mit mir Kinderschutzkonzepte entwickeln, sodass sich jedes Kind sich im Verein wohlfühlen kann. Natürlich gilt dies auch für erwachsene Mitglieder. Daher stehe ich auch besonders für Themen wie Toleranz und Vielfalt ein. Zu guter Letzt zähle ich den Schutz unserer Umwelt mit dazu. Wir betreiben unseren geliebten Sport in und mit der Natur. Daher bin ich der Meinung, dass jeder Verein auch etwas zurückgeben kann, angefangen mit einfachen Themen wie Mülltrennung oder Bildung von Fahrgemeinschaften.

Der direkte Kontakt mit den Klubs ist ein wesentlicher Bestandteil der Vereinsberatung. In Zeiten von Corona ist dies bekanntermaßen schwierig umzusetzen. Konnten Sie dieses Hindernis bisher überwinden – und wenn ja, mit welchen Mitteln?

Natürlich ist der persönliche Kontakt mit keinem Tool zu ersetzen. Nichtsdestotrotz sind Videokonferenzen für den Übergang ein geeignetes Mittel, um ins Gespräch zu kommen und erste Ansätze zu erarbeiten. Es ist jedoch auch unter Einhaltung der gängigen Regeln möglich, dass man sich persönlich vor Ort trifft. Aber egal wie wir in Kontakt treten, das Wichtige ist, dass wir es überhaupt tun!

Welche Rolle spielt bzw. spielte der Fußball aktuell und früher in ihrem Leben?

Im Grunde bestimmt Fußball einen Großteil meines Privatlebens – und jetzt auch noch einen Teil meines beruflichen Alltags. Ich bin im Alter von sechs Jahren zu Hansa Rostock gekommen, wechselte dann zum SV Warnemünde, später zum SV Hafen Rostock und spiele nun seit acht Jahren beim ESV Lok Rostock. Im Sommer kicke ich noch am Strand mit den Amateueren der Rostocker Robben. Und wenn ich selber nicht spiele, schaue ich gerne Amateurspiele in Rostock an oder verfolge den Fußball im Fernsehen. Daher habe ich auch einen guten Überblick über die Vereine und kenne die Herausforderungen, speziell im Kreis Warnow.

Blicken wir noch etwas voraus: Welche Ziele haben Sie sich persönlich oder aber auch innerhalb des Teams der Vereinsberater im Rahmen des Projektes bis zum Jahresende gesetzt?

Auf jeden Fall wollen wir, dass jeder Verein zumindest unser Angebot kennt. Ein nächster Schritt wäre, mit möglichst vielen Vereinen ins Gespräch zu kommen. Aber das soll nur der Anfang sein. Wir wollen die Vereine in dem jeweiligen Bereich nachhaltig weiterentwickeln. Das beutet eine regelmäßige Begleitung, welche auf keinen Fall nach dem ersten Termin enden soll. Damit das gelingt, ist es elementar, dass sowohl der Verein als auch der Vereinsberater ihre Hausaufgaben erledigen. Nur so kann ein Erfolg zustande kommen. Wir Vereinsberater liefern sozusagen Ideen und das Handwerkszeug, die Umsetzungsarbeit liegt aber im Verein selbst.

Fünf Fragen, fünf Antworten

1. Mein persönlicher Lieblingsspieler war bzw. ist …

… Lionel Messi

2. Bundesliga-Konferenz oder Verbandsliga-Spiel?

Eher ein Kreis(-ober)liga-Spiel

3. Das Besondere am Amateurfußball ist für mich …

… neben der Liebe zum Sport der gesellschaftliche Aspekt. Menschen, denen man auf anderen Wegen nie begegnet wäre, werden zu Freundinnen und Freunden

4. Wenn ich DFB-Präsident wäre, dann …

… würde ich mich für einen Boykott der WM in Katar stark machen, um ein echtes Zeichen gegen Menschenrechtsverletzungen und Ausbeutung zu setzen

5. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass …

… dass Werbung für mehr Toleranz in der Gesellschaft obsolet wird


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