"Umknicken" – Teil 1: Außenbandverletzung des Sprunggelenks


14.07.2021
Spielbetrieb • Männer • Frauen • Junioren • Juniorinnen • Service

Eisspray auf die bzw. die Kühlung der enstprechenden Stelle ist Schritt zwei nach einer erlittenen Bänderverletzung.

Der Fuß des Menschen besteht aus 26 Knochen, die über 30 Gelenke miteinander verbunden sind. Es handelt sich um ein komplexes biomechanisches System, auf das beim Laufen das drei- bis vierfachfache Körpergewicht wirkt (Quelle 1). Beim Umknicken des Fußes kann es, je nach Unfallmechanismus, zu unterschiedlichen Verletzungen des Fußes und des Sprunggelenks kommen. Dabei machen Verletzungen des Bandapparates des oberen Sprunggelenks insgesamt 15% aller Sportverletzungen aus (Quelle 2). Die häufigste Kapsel-Band-Verletzungen in der orthopädisch-unfallchirurgischen Notaufnahme ist das Supinationstrauma (Umknicken des Fußes nach Innen mit Überdehnung der Außenseite).

Häufiges Szenario: Überdehnung des Außenbandapparates

Der Außenbandapparat besteht aus drei Bändern, die von der Unterrand des Außenknöchels zum Sprungbein (vorderes und hinteres Außenband) und zum Fersenbein (mittleres Außenband) ziehen. Die Einteilung der Bandverletzungen am Außenknöchel kann nach der der American Medical Association (Quelle 3) erfolgen (siehe Tab. 1). Die klinischen Symptome (Belastbarkeit des Fußes, Druckschmerz vor und unterhalb der Außenknöchelspitze, sowie Schwellung/Bluterguss) stehen dabei grob mit der Schwere der Bandverletzungen im Zusammenhang (siehe Tab. 1). In 7,4% der Außenbandverletzungen kommt es zu Begleitverletzungen im Verlauf der Fußaußenkante, wie z.B. zu Brüchen des Sprungbeines (Quelle 4).

GradBandverletzungKlinikTherapie
1ZerrungBelastbar,
kleiner
Bluterguss
  • PECH
  • Stabilisationsschiene für 6-8 Wochen
  • Physiotherapie (Beginn nach 1 Woche)
  • Sportbeginn nach 4-7 Tagen
2TeilrissEingeschränkt
belastbar,
deutlicher
Bluterguss
  • PECH
  • Stabilisationsschiene für 12 Wochen
  • Physiotherapie, anschließend Sportbeginn nach ca. 1-2 Wochen
3Kompletter
Riss
Sofort nicht
belastbar,
deutlicher
Bluterguss
  • PECH
  • Stabilisationsschiene für 3-6 Monate
  • Entlastung an Unterarmgehstützen für 1 Woche
  • Physiotherapie, anschließend Sportbeginn nach ca. 2-4 Wochen
  • Nachtschiene oder Softcast-Schiene über Nacht für 6 Wochen

Tab. 1: Einteilung von Verletzungen des Außenbandapparates des Sprunggelenkes mit entsprechender Klinik und Therapie [adaptiert nach Quelle 1]

Die initiale Therapie aller Bandverletzungen ist zunächst das PECH-Schema (Pause, Eis, Kompression, Hochlagern). Im weiteren Verlauf kann je nach Grad der Bandverletzung eine frühfunktionelle Therapie begonnen werden. Hierunter heilen in der Regel fast alle akuten Bandverletzungen aus (Quelle 1). Bei länger anhaltenden Beschwerden sollte eine Verlaufskontrolle durch den behandelnden Arzt durchgeführt werden, um zusätzliche Verletzungen auszuschließen. Als Prophylaxe vor erneuten Distorsionen kann während des Sports eine stabilisierende Schiene getragen werden. Bei sich wiederholenden Supinationstraumata oder einem nicht adäquaten Ausheilen einer Bandverletzung kann es zu einer chronischen Instabilität im Sprunggelenk kommen. Diese kann strukturell bedingt sein (bei nicht funktionsfähigen Bändern) oder funktionell (bei fehlender neuromuskulärer Stabilität). Die funktionelle chronische Instabilität kann durch gezielte Physiotherapie mit Propriozeptionstraining behandelt werden, während bei einer strukturellen Instabilität bei hohem sportlichem Anspruch eine operative Therapie mit Rekonstruktion des Außenbandapparates empfohlen wird (Quelle 1).

Zur Prävention des Umknickens im Saisonverlauf sowie zur Prophylaxe vor einem erneuten Umknicken nach einem bereits erfolgten Trauma haben sowohl Schienen, Taping und Präventionsprogramme ihre Wirksamkeit gezeigt (Quelle 5). Das Anlegen von stabilisierenden Schienen und Taping stellt eine wirksame und zeitsparende Methode dar, ein Umknicken bzw. ein erneutes Umknicken des Sprunggelenks zu verhindern. Weiterhin scheint es das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln zu unterstützen. Schützende und wissenschaftlich nachgewiesene Methoden stellen hingegen präventive Programme dar, die die Wahrscheinlichkeit eines Umknickens verhindern können und darüber hinaus häufig auch zur Verletzungsprävention weiterer Gelenke und Funktionsketten sowie zur Steigerung der Athletik beitragen (Quelle 5).


Quellen:

  1. Albrecht S. Sportverletzungen: Diagnose, Management und Begleitmaßnahmen. 3., überarbeitete Auflage. Engelhardt M, editor. München: Elsevier, Urban & Fischer; 2016. 940 p.
  2. Möllenhoff G, Richter J, Muhr G. Supination trauma. A classic case. Orthop. 1999 Jun;28(6):469–75.
  3. Rachun A. Rachun A (1968). Standard nomenclature of athletic injuries. American Medical Association. 1968.
  4. Zwipp H. Die antero-laterale Rotationsinstabilität des oberen Sprunggelenkes. Berlin: Springer; 1986. 179 p. (Hefte zur Unfallheilkunde).
  5. Kaminski TW, Needle AR, Delahunt E. Prevention of Lateral Ankle Sprains. J Athl Train. 2019 Jun 1;54(6):650–61.

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