"Das Ehrenamt ist für mich ein idealer Ausgleich zum Beruf"


29.06.2020
Verband • Schiedsrichterausschuss • Spielbetrieb • Schiedsrichter • Ehrenamt

Andreas Neumann ist vielfältig. Das gilt sowohl für seine früheren als auch aktuellen Aufgaben rund um den Fußballsport sowie in der Berufswelt. Der 49-jährige verheiratete Familienvater fand nach seiner Ausbildung im Rostocker Seehafen über Anstellungen im Maschinenbau und der Tischlerei den Weg in den Einzelhandel. Seit 1994 führte Neumanns Weg durch alle zugehörigen Bereiche, mittlerweile bekleidet er die Position des Vertriebsleiters. Seine beiden Söhne sind wie einst der Papa als Schiedsrichter aktiv. Im Interview mit lfvm-v.de spricht Andreas Neumann unter anderem über die Rolle seiner Frau und über die Grenzen bei der Bewertung von Schiedsrichterleistungen.


Interview mit Andreas Neumann

lfvm-v.de: Herr Neumann, Sie gehören dem Schiedsrichterausschuss des Landesfußballverbandes an. Welches Aufgabenprofil füllen Sie dort aus?

Andreas Neumann: Zu meinen Aufgaben gehören die Ansetzungen der Schiedsrichter- Beobachter*innen sowie die Sichtung und Auswertung der Beobachtungsbögen. Des Weiteren bearbeiten Andreas Streich und ich gemeinsam die Erhebungen der Schiedsrichter-Sollzahlen der Vereine. Hier arbeiten wir eng mit den Verantwortlichen der Kreise sowie dem Spielausschuss und dem Sportgericht des LFV zusammen.

Wie lässt sich dieses Engagement mit dem Beruf und dem Privatleben vereinbaren?

Das Ehrenamt ist für mich ein idealer Ausgleich zum Beruf. Der große Vorteil gegenüber dem Spielbetrieb ist für mich, dass ich keine starren zeitlichen Vorgaben habe. Insofern kann sich mein ehrenamtliches Engagement sehr gut an meinem Beruf orientieren. In mehr als über 30 Jahren erhielt ich durch meine Frau Andrea das Verständnis, den Rückhalt und die Unterstützung, mich ehrenamtlichen Aufgaben widmen zu können. Das alles stellt keine Selbstverständlichkeit dar und ich danke ihr dafür von ganzem Herzen.

Inwiefern haben sich die Einflüsse der Coronapandemie auf Ihr ehrenamtliches Engagement ausgewirkt?

Da die gesamten Aufgaben im Beobachtungswesen entfielen, war ich das Ehrenamt betreffend so gut wie 'arbeitslos'. Mit Ausnahme einiger Telefonate verlagerte sich die Konzentration in der Freizeit auf das Handwerk, den Garten oder den Herd.

Welche Rolle spielt der Fußball – fernab Ihres Wirkens beim LFV – momentan in Ihrem Leben?

Ich verfolge natürlich die Spieltage der 1. bis 3. Liga. Dabei interessieren mich natürlich die Spiele der Mannschaften selbst, aber auch die gezeigten Leistungen der Unparteiischen.

Aus Ihrer Sicht: Genießt das Schiedsrichterwesen in Mecklenburg-Vorpommern oder auch generell von allen Seiten den Stellenwert, den es benötigt bzw. verdient?

Die Frage ist sicher nicht so einfach mit einem 'Ja' oder einem 'Nein' zu beantworten. Grundsätzlich genießt das Schiedsrichterwesen von allen Seiten den Stellenwert, den es verdient. Hier sehe ich die vorbildlichen Funktionär*innen, Trainer*innen, Spieler*innen und Fans, die – trotz der uns allen so wichtigen Emotionen – dem Schiedsrichterwesen mit Respekt begegnen. Dafür sind alle Schiedsrichter*innen sowie alle verantwortlich handelnden Personen dankbar. Es ist jedoch so, dass sich auf allen Seiten einzelne Personen befinden, die den Stellenwert des Schiedsrichterwesens erheblich eintrüben. Es sind einige wenige aus den genannten Gruppen, die teils in unangemessener sowie respektloser Art und Weise auftreten. Die Grenze ist immer dann überschritten, wenn der Respekt verloren geht. Das fatale ist für mich persönlich, dass dann die Emotionen als Grund und damit auch als Rechtfertigung dienen. Damit zeigen diese Personen jedoch lediglich an, dass es ihnen egal ist. Wenn ich mir vor Augen führe, dass selbst Kinder, die das Amt als Schiedsrichter ausführen, von erwachsenen Menschen aufgrund einer anderen Wahrnehmung verbal und körperlich attackiert werden, komme ich persönlich zu dem Ergebnis, dass hier ein asoziales Verhalten vorliegt. Dies mag sich für einige Menschen überzogen und hart anhören, aber solche Verhaltensweisen sind nicht sozial. Das Ehrenamt verdient insgesamt höchste Anerkennung und Respekt, da jede ehrenamtliche Aufgabe besonders anspruchsvoll und damit Wert zu schätzen ist.

Was macht die Besonderheit der Rolle des Unparteiischen aus?

Das Spiel an sich den Regeln entsprechend zu leiten. Wichtig ist es, dass Spiel laufen lassen und 'abzutauchen', wenn die Hauptakteure selbst auch spielen wollen. Eine Besonderheit ist mit Sicherheit die Konzentration stets hoch zu halten, sich in keiner Phase überraschen zu lassen und präsent zu sein, wenn Regeln verletzt werden.

Blicken wir ein wenig zurück: In welcher Rolle hat man Sie zu Ihrer aktiven Zeit auf oder neben dem Fußballplatz gesehen?

Als Spieler, Nachwuchstrainer, bei der Vereinsarbeit im Vorstand sowie als Schiedsrichterlehrwart und natürlich als Schiedsrichter und derzeit auch als aktive Schiedsrichterbeobachter.

Der Ball ruht nun schon längere Zeit – zumindest im Bereich des Amateurfußballs. Da schwelgt der ein oder andere gerne einmal in Erinnerungen. Fällt Ihnen aus in diesem Zusammenhang eine besonders bemerkenswerte Anekdote ein, die Sie mit dem Amateurfußball verbinden?

Vor vielen Jahren kamen wir als Schiedsrichterteam spät von einem Regionalligaspiel und hielten auf dem Heimweg an einer Sportstätte, um nach längeren Regenfällen die Bespielbarkeit eines Platzes für den Folgetag zu prüfen. Nachdem wir dann die Fahrt fortsetzten, fing unser Schiedsrichterkollege auf dem Rücksitz laut an zu schreien. Was war passiert? Da wir bei der Platzbesichtigung die Türen offen gelassen hatten, nahm eine Katze auf der Rückbank Platz. Diese kauerte nun hier im dunklen Auto und sah unseren Kollegen verängstigt an. Bei wem die Angst – zumindest in diesem Moment –, größer war, konnte nicht geklärt werden. Auf jeden Fall passte auch dieses Ereignis in einen zwar anstrengenden aber auch spaßerfüllten Tag eines Schiedsrichtergespanns.

Fünf Fragen, fünf Antworten

1. Mein persönlicher Lieblingsspieler war bzw. ist …

… Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner als Kind, später Matthias Sammer

2. Bundesliga-Konferenz oder Verbandsliga-Spiel?

Verbandsligaspiel, da ich sehr selten eine Konferenz aber viele Verbandsligaspiele im Land sehe.

3. Das Besondere am Amateurfußball ist für mich …

… das Vereinsleben sowie die Bindung an der Basis zwischen den Menschen in dieser digitalen Welt.

4. Wenn ich DFB-Präsident wäre, dann …

… bräuchte ich erst einmal einen Einblick, da manche Aufgaben einfacher erscheinen als sie zu lösen sind

5. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass …

… wir alle gesund bleiben und zum richtigen Zeitpunkt auf die Plätze zurückkehren können


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