Carolin Klatt will die Entwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs weiter vorantreiben


16.06.2020
Verband • Frauen- und Mädchenausschuss • Spielbetrieb • Frauen • Ehrenamt

Will mit dafür sorgen, dass sich der Frauenfußball bei der HSG Warnemünde und im gesamten Land Mecklenburg-Vorpommern stetig weiterentwickelt: Carolin Klatt.

Gerade in den letzten Jahren hat Carolin Klatt rund um den Fußball so einiges erlebt. Das gilt sowohl für das Geschehen auf als auch neben dem Platz. Die heute 29-Jährige begann vor knapp zwei Jahrzehnten mit dem Fußballspielen beim Meyenburger SV Wacker (Brandenburg). Im Jahre 2017 wurde sie zur Spielerin des Jahres in Mecklenburg-Vorpommern gewählt – damals stand die mit einem Zweitspielrecht aktive Klatt mit der HSG Warnemünde abgeschlagen auf dem letzten Platz der AOK-Verbandsliga. Aber die Verteidigerin zeigte sich kämpferisch: "Wir sind davon überzeugt: Die Letzten werden irgendwann die Ersten sein." Auch dank dieses Credos geht es mit ihrem Verein seither und auch dank ihres Engagements sportlich und strukturell bergauf. Die studierte Agrarökologin engagiert sich darüber hinaus auch landesweit für die Entwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs, nahm am Leadership-Programm des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) teil und nimmt im Landesfußballverband (LFV) eine wichtige Schnittstellenfunktion ein.


Interview mit Carolin Klatt

lfvm-v.de: Frau Klatt, Sie gehören gleich zwei Ausschüssen des LFV an. Welche sind das und was sind dort Ihre Aufgaben?

Carolin Klatt: Ich bin Mitglied im Ausschuss für Vereinsentwicklung (AVE/d. Red.) und im Ausschuss für Frauen und- Mädchenfußball (AFM/d. Red.). Eine Hauptaufgabe im AFM ergibt sich aus der Mitgliedschaft im AVE, indem ich dem AFM Entscheidungen und Projektvorhaben aus dem AVE mitteile. Weiterhin bin ich an Entscheindungsfindungen und der Entwicklung von neuen Vorhaben, u.a. zur Stärkung des Mädchen- und Frauenfußballs im Land beteiligt. Ich unterstütze daneben auch die Durchführung und Betreuung von Turnieren, vor allem in der Hallensaison. Im AVE bin ich als Vertreterin des AFM tätig und versuche die Anliegen, Ideen und Vorschläge aus dem Mädchen- und Frauenbereich wirksam einzubringen. Ich sorge im Prinzip für den Austausch und die Vermittlung.

Worin sehen Sie die konkreten Schnittstellen zwischen dem AFM und dem AVE?

Wie zuvor bereits angedeutet werden über den AVE Projekte koordiniert, die auch den Frauen- und Mädchenbereich betreffen, wie zum Beispiel die Ausbildung DFB-Junior-Coach 'Girls Only'. Hier arbeiten wir zusammen, um möglichst viele potenzielle Teilnehmerinnen in den Vereinen zu erreichen. Weiterhin versuchen wir die speziellen Belange des Mädchen- und Frauenfußballs in der Vereinsentwicklung zu platzieren. So erhoffen wir eine erhöhte Sensibilisierung für den Bereich.
Wir haben unter anderem auch angeregt, dass es in der Traineraus- und -Fortbildung wieder einen Kurs speziell für die Thematik Mädchen- und Frauenfußball gibt, welcher daraufhin bereits im März 2020 durchgeführt wurde.

Wie lässt sich das alles mit dem Beruf und dem Privatleben vereinbaren?

Sehr gut. Die Treffen der Ausschüsse sind in einem überschaubaren Rahmen und stets nach Feierabend. Mit der Arbeit gibt es deshalb keine Probleme. So lange ich denken kann, ist Fußball ein wichtiger Teil in meinem Privatleben – das weiß jeder, der mich kennt – und so ist die ehrenamtliche Arbeit im organisatorischen Bereich eine tolle Ergänzung. Man lernt viel über die Abläufe im Hintergrund des Verbandes, lernt den Arbeitsaufwand einzuschätzen und kann demnach gut als Vermittler zwischen Verein und Verband agieren. Zudem ist es hilfreich, wenn man einen ebenso fußballverrückten Partner an seiner Seite hat.

Inwiefern haben sich die Einflüsse der Coronapandemie auf Ihr ehrenamtliches Engagement ausgewirkt?

Die Ausschussitzungen finden derzeit ausschließlich online statt. Beim AFM wollten wir dies ohnehin teilweise etablieren. Das heißt, zwei Präsenztreffen pro Jahr und zusätzlich Telefonkonferenzen, um in einem engeren Zeitfenster neuste Entwicklungen auszutauschen. Die geplante Durchführung der Junior-Coach-Ausbildungen musste hinsichtlich der Coronapandemie angepasst werden. Hier haben aber vor allem Sebastian Turowski und Gerald Blümel die Fäden in der Hand. Ich freue mich aber, dass der LFV so flexibel agieren kann und den Jugendlichen ermöglicht, trotz der Zu- und Umstände, an der Veranstaltung teilzunehmen. Ansonsten habe ich eher wenig Auswirkungen hinsichtlich meiner ehrenamtlichen Arbeit gespürt.

Welche Rolle spielt der Fußball – fernab Ihres Wirkens beim LFV – momentan in Ihrem Leben?

Eine sehr große! Es ist für mich einfach das schönste Hobby auf der Welt. Ich spiele leidenschaftlich gerne Fußball. Ich liebe es mit meinem Team auf dem Platz zu stehen, zu kämpfen, mich über schlechte Spiele zu ärgern und mich über Erfolge zu freuen. Das ganze Mannschaftsklima ist einfach wunderbar und gibt mir sehr viel. Und wenn ich nicht selbst auf dem Platz stehe, dann schaue ich auch gerne Fußball. Entweder direkt am Platz oder die Bundesliga im TV.

Der Frauenfußball sieht sich in vielerlei Hinsicht immer wieder mit dem Vergleich zu den Männern konfrontiert. Hinkt dieser Vergleich aus Ihrer Sicht oder muss sich der Frauenfußball dieser Situation einfach stellen?

Beim Vergleich des Herren- und Frauenfußballs werden schnell die großen Unterschiede deutlich. Der Vergleich hinkt also. Die Differenzen sind in vielerlei Hinsicht groß – ob im Profibereich bei den Gehältern der SpielerInnen und der mangelnden Medienpräsenz im Frauenfußball oder aber im Amateurbereich, wo es einfach viel zu wenig Vereine gibt, die sich überhaupt dem Frauenfußball widmen und er deshalb unterrepräsentiert ist.
Es beginnt aber schlichtweg bereits damit, dass insgesamt viel weniger Mädchen und Frauen Fußball spielen als Jungen und Männer. Der Frauenfußball wird demnach nie so eine Präsenz einnehmen können wie der Herrenfußball. Was aber möglich ist und was das Ziel sein muss, ist dass der Frauenfußball in seinem gegebenen Rahmen eine organisierte und gute Performance hinlegt. Genau das versuchen wir auf Landesebene zu erreichen.
Und genau das passiert meines Erachtens gerade auch weltweit. Viele Profivereine sehen das Potenzial im Frauenfußball. Sie bilden Sparten in dem Bereich oder fusionieren, um einen größeren wirtschaftlichen Rahmen gewährleisten zu können. Sie nehmen eine Vorbildfunktion ein und animieren weitere Vereine in den Frauenfußball zu investieren. Und wo Strukturen vorhanden sind, kann sich der Mädchen- und Frauenfußball auch entwickeln. Ich hoffe, dass man künftig eine Auswirkung der Entwicklung auf allen Ebenen spüren wird. Vermutlich bedarf es jedoch finanzielle Anreize und Unterstützung seitens des DFB. Insgesamt habe ich aber das Gefühl, dass der Ruf des Frauenfußballs stetig besser wird, was mich wirklich sehr freut.

Im Zuge des 50-jährigen Jubiläums des Frauenfußball startete der Deutsche Fußball-Bund kürzlich eine Kampagne. Jedes siebente DFB-Mitglied ist demnach weiblich. In Mecklenburg-Vorpommern ist es nach den neuesten Erhebungen jedoch nur jedes 13. Mitglied. Auch die Zahl der aktiven Mannschaften stagniert derzeit. Worin sehen Sie hierfür die Gründe?

Zum Einen glaube ich, dass es eine natürliche Erscheinung ist, dass Frauen im Fußballbereich nicht so stark vertreten sind, wie die Herren. Es interessieren sich schlichtweg weniger Frauen für den Fußball als Herren. In anderen Bereichen des Lebens gibt es eben mehr Frauen als Männer. Zum Anderen hört man gelegentlich, dass die Frauen, die sich im Fußballbereich engagieren wollen, belächelt oder aber 'mundtot' gemacht werden. Es zeigt sich, dass dies vor allem durch 'ältere Herren', die ein anderes Verständnis von Rollenverteilung haben, geschieht. Das kann natürlich sehr abschreckend sein. Ich denke aber das hier bereits ein Wandel begonnen hat. Ich habe bislang keine Erfahrung in dieser Hinsicht machen müssen. Im Gegenteil, ich wurde stets voll akzeptiert und meine Arbeit wertgeschätzt.
Weiterhin denke ich, dass es zu wenig Vereine in Mecklenburg-Vorpommern gibt, die sich im Bereich Mädchen- und Frauenfußball engagieren. Wo ein Angebot ist, dort wird dies meist auch angenommen. Und wo ein Team besteht, da finden sich zumeist auch weibliche Ehrenamtler. Das Dasein als Flächenland macht dieses Vorhaben natürlich nicht leichter. Aber genau deshalb ist es wichtig den Mädchen- und Frauenfußball ii MV weiter zu stärken. Vereine müssen animiert werden, mehr Angebote zu schaffen. Finanzielle Anreize könnten helfen, dass bestehende Teams für die AOK Verbandsliga melden.
Generell sind solche Kampagnen gut, weil sie sensibilisieren und deutlich machen, dass es wichtig ist, Frauen die Chance zu geben sich im Bereich Fußball zu engagieren. Beispielsweise sind die Herangehensweise an Problemstellungen oder die Führung von Diskussionen bei Männern und Frauen unterschiedlich. Diese Vielfalt ist wichtig und kann uns voranbringen.

Sie sind selber noch aktiv am Ball: In welchen Rollen sieht man Sie derzeit auf oder neben dem Fußballplatz?

Ich spiele bei der HSG Warnemünde und habe meinen festen Platz als Innenverteidiger – wobei mein stiller Traum die Sechser-Position ist. Ich helfe bei organisatorischen Vereinsangelegenheiten, bin im Mannschaftsrat und Ansprechpartner für die Mädels bei Fragen.

Der Ball ruht nun schon längere Zeit – zumindest im Bereich des Amateurfußballs. Da schwelgt der ein oder andere gerne einmal in Erinnerungen. Fällt Ihnen aus in diesem Zusammenhang eine besonders bemerkenswerte Anekdote ein, die Sie mit dem Amateurfußball verbinden?

Meine Mädels ziehen mich noch heute mit meinen Halbzeitansprachen auf. In den ersten Spielzeiten, als wir viele Begegnungen verloren haben, da sind auch in der Halbzeitpause die Emotionen mit mir durchgegangen. Wenn der Trainer fertig war, habe ich gern auch noch ein paar Worte gefunden. Das mache ich jetzt auch noch, aber wir spielen halt einfach besser. Sätze wie: 'Mädels, ihr steht auf dem Platz wie ein paar Nudeln', 'Mensch, nun reißt euch doch mal am Schlüpper' oder 'Ey, ich bin hier immer die letzte Sau' verfolgen mich noch heute.
Der größte Moment meiner Fußballkarriere war aber definitiv der überraschende Landespokalsieg im vergangenen Jahr. Unglaublich. Da bekomme ich noch heute Gänsehaut. Meinen Mitspielerinnen und dem Trainerteam geht es da genauso.

Fünf Fragen, fünf Antworten

1. Mein persönlicher Lieblingsspieler war bzw. ist …

… Ivica Olic

2. Bundesliga-Konferenz oder Verbandsliga-Spiel?

Verbandsliga-Spiel

3. Das Besondere am Amateurfußball ist für mich …

… das einfach jeder diesem wunderbaren Hobby nachgehen kann – egal welches Geschlecht und welche Herkunft

4. Wenn ich DFB-Präsidentin wäre, dann …

… würde ich dem Amateurfußball und dem Ehrenamt mehr Aufmerksamkeit widmen

5. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass …

… wir mehr Frauenteams in der AOK-Verbandsliga hätten und wir alle bald wieder auf dem Platz stehen und kicken können.

Auf dem LFV-Neujahrsempfang im Januar 2018 erhielt Carolin Klatt (l.) die Auszeichnung als Spielerin des Jahres 2017. An ihrer Seite: Trainer Jörg Burgstaler.


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