Außerordentlicher DFB-Bundestag: "Es bleibt und wird spannend"


25.05.2020
Verband • Präsidium

Joachim Masuch (70) hat seit seinem Amtsantritt im Jahre 1999 an allen Bundestagen des DFB teilgenommen. In diesem Jahr wird die Veranstaltung erstmals online durchgeführt.

Vor allem die Drittliga-Vereine haben sich in den zurückliegenden Wochen als heillos zerstritten präsentiert. Wie haben Sie das erlebt? Der DFB sprach von einem "unwürdigen Schauspiel". Wie beurteilen Sie die Meinungsverschiedenheiten und die Art und Weise der Kommunikation? Haben Sie Verständnis für die Vereine, die abbrechen wollen?

Joachim Masuch: Dass es in dieser besonderen Pandemiezeit unterschiedliche Positionen nach der Unterbrechnung des Spielbetriebes innerhalb der 20 Drittligisten gibt, verwundert nicht. Aber dass diese Positionen in aller Öffentlichkeit und mit einer Schärfe geführt werden, hilft dieser obersten Spielklasse im DFB nicht in ihrer Gesamtwahrnehmung. Dass die Vereine, die derzeit in der unteren Tabellenhälte befindlich sind und durch eine Beendigung der Saison auf einen Verbleib in der Liga hoffen bzw. spekulieren, ist sportlich nicht fair im Umgang mit den anderen Vereinen.

Glauben und befürworten Sie, dass die Saison sportlich beendet werden kann? Was spricht dafür?

Ich befürworte eine Fortsetzung und Beendigung der Saison nach Absolvierung aller Pflichtspiele, damit Auf- und Abstieg möglich werden und dieses auf dem grünen Rasen. Derzeit gibt es von Seiten der Politik und Behörden noch keine Freigabe zun Spielbetrieb der Liga, obwohl die 3. Liga nach den gleichen Hygienestandards wie die 1. und 2. Bundesliga ihr Konzept vorgelegt hat. Ich erwarte unter Bezug auf den Gleichbehandlungsgrundsatz, dass auch die Dritte Liga mit ihrem Profifußballstatus in der kommenden Woche eine Spielfreigabe analog der vorgenannten beiden Profiligen erhalten wird.

Haben Sie sich in Bezug auf die bevorstehenden Entscheidungen über die 3. Liga mit dem F.C. Hansa abgestimmt?

Es hat hier keinerlei besonderer Abstimmung bedurft, da wir den Standpunkt des F.C. Hansa Rostock kennen und wir die Fortsetzung des Spielbetriebes in der 3. Liga befürworten und unterstützen.
 
Was halten Sie von der Idee, die 3. Liga in zwei Staffeln einzuteilen? Wofür plädieren Sie und warum?

Die 3. Liga hat sich seit ihrem Bestehen wirtschaftlich und in der medialen Wahrnehmung sehr gut entwickelt. Eine Aufweitung dieser Liga in zwei Staffeln führt aber dazu, dass die finanziellen Zuwendungen an die derzeit 20 Vereine dann auf ggf. 36 Vereine aufgeteilt werden müssen und damit insgesamt zu einem geringeren Mittelzufluß. Gleichzeitig bleiben die Ausgaben beim derzeitigen Niveau. Wie hier ein Ausgleich erfolgen kann, erschliesst sich mir nicht. Und die sportliche Qualität insgesamt würde sinken.

Glauben Sie, dass der offen ausgetragene Streit einiger Drittliga-Vereinen beigelegt werden kann. Wann ja: wie und wann?

Die Antwort hierauf fällt mir schwer, weil die Standpunkte der Vereine hier noch völlig auf Gegensatz basieren. Der Streit kann nur dann auch noch zeitnah beigelegt werden, wenn es die politsiche und behördliche Freigabe aller 16 Bundesländer in der kommenden Woche geben wird, womit auch ein Zeithorizont sichtbar wird, in dessen Rahmen die restlichen Punktspiele absolviert werden können. Und dass alles unter der Voraussetzung, dass die Coronasituation dieses auch zulässt.

Mit welchen Gedanken und Gefühlen sehen Sie den AO-Bundestag und wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Ich habe seit meinem Amtsantritt an bisher allen Ordentlichen und Außerordentlichen Bundestagen des DFB teilgenommen und kenne die Atmosphäre sowohl davor und während eines Bundestages. Das wird am 25. Mai ganz anders, wenn die Delegierten erstmalig einen außerordenlichen Bundestag virtuell abhalten werden, also auch Diskussionen zu Beschlussanträgen online stattfinden. Die Vorbereitung fand dennoch in gewohnter Art und Weise statt, da die Antragsunterlagen ebenfalls online zugestellt wurden und wir uns im Rahmen einer Konferenz aller Präsidenten der Landes- und Regionalverbände ausgetauscht haben. Aber seither gehen täglich Ergänzungsanträge ein, die überwiegend die 3. Liga und eine mögliche zweistafflige 3. Liga zum Gegenstand haben. Weitere Ergänzungsanträge bis einschließlich während des außerordentlichen Bundestages sind zu erwarten. Es bleibt und wird spannend.

Felix Magath hat sich dafür ausgesprochen, die 3. Liga in die Hand der DFL zu geben. Was halten Sie vom Vorschlag?

Es gibt auch hierfür ein Dafür und ein Dagegen. Der Magath-Vorschlag ist im Grundtenor nicht neu und basiert darauf, dass Profifussball im Herrenbereich demnach ausschliesslich unter dem Dach der Deutschen Fußball-Liga (DFL/d. Red.) geführt werden sollte mit dem Wunsch, künftig einen höheren Betrag aus der Vermarktung für diese Dritte Liga zu generieren.

Wie wird die Abstimmung am Montag technisch laufen? Von wo werden Sie zugeschaltet sein, und wer wird an Ihrer Seite sitzen?

Der Landesfußballverband hat ein Stimmrecht von drei, ich zusätzlich eine Stimme als DFB-Vorstandsmitglied. Unser Stimmrecht werden der Geschäftsführer, Bastian Dankert und ich am Montag wahrnehmen, wobei ich dieses von zu Hause aus am PC machen werde.

Interview: Christian Lüsch (OSTSEE-ZEITUNG)


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