31.03.2014

Sepp Herberger-Urkunde in der Kategorie „Behindertenfußball“ für den Lübzer SV


Eugen Gehlenborg (li.), DFB-Vizepräsident für Sozial- und Gesellschaftspolitik und Dr. Rudolf Seiters (re.), Bundesminister a. D. und Präsident des Deutschen Roten Kreuzes sowie Uwe Ohlrich vom Lübzer SV.

Wer kennt schon den Lübzer SV? Na gut, die Kleinstadt im Landkreis Ludwigslust-Parchim (Land: Mecklenburg-Vorpommern), die durch ihr Bier bekannt ist, hat nur 6000 Einwohner. Aber der Sportverein 750 Mitglieder - also deutlich mehr als zehn Prozent. Das an sich ist schon beachtlich.

Und jetzt wird Lübz auch noch bundesweit Schlagzeilen machen. Weshalb? Der Sportverein erhält die mit 5.000 Euro dotierte Sepp-Herberger-Urkunde in der Kategorie Behindertenfußball.

Seit 2006 arbeitet der Sportverein mit der Allgemeinen Förderschule Lübz und seit 2009 mit den Lewitz-Werkstätten zusammen, um Menschen mit geistigem Handicap an Bewegung heranzuführen. Michael Reinsch, der 1. Vorsitzende, sagt: "Natürlich macht uns diese Auszeichnung stolz. Der Startschuss für die Initiative war übrigens ein Startpaket mit Bällen, Hemden und anderen Materialien, das uns der Deutsche Fußball-Bund nach der WM 2006 geschenkt hat."

Rund 30 geistig behinderte Kinder aus der 7. bis 9. Klasse nehmen an der wöchentlichen Fußballstunde teil. Vereinssportlehrer Uwe Ohlrich: "Ehe die Kids eine Stunde auf den nächsten Bus warten, ist diese Freizeitgestaltung gewiss sinnvoller." Zumal sich auch schon Erfolge eingestellt haben. Durch das intensive und fachmännisch betreute Training waren die Schüler schon zwei Mal bei den Landesmeisterschaften der Förderschulen erfolgreich.

Auch eigene Turniere, bei denen der Verein die Schule unterstützte, wurden schon veranstaltet. Astrid Becker, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Verein: "Die Kinder drängen danach mitmachen zu dürfen und sind traurig, wenn es keinen Platz mehr gibt." Deshalb bietet der Verein seit kurzem eine zweite Stunde pro Woche an.

Besonders begabte Fußballer sind inzwischen auch in den "normalen" Wettkampfbetrieb des Achtligisten integriert - natürlich in den jeweiligen Altersklassen. Inklusion jedenfalls ist beim Lübzer SV nicht nur eine Worthülse.

Wie nachhaltig das Projekt ist, zeigt auch folgende Tatsache: Viele Spieler bleiben dem Verein treu, auch wenn sie die Schule verlassen haben. Deshalb hat der Klub auch eine Partnerschaft mit den Lewitz-Werkstätten, einer nahegelegenen Werkstätte für behinderte Menschen geschlossen. So kann Ohlrich in einer weiteren Stunde mit 16 bis 30-Jährigen mit Behinderung trainieren.

Noch einmal Reinsch: "Wenn man die Dankbarkeit der Kinder sieht, dann muss man einfach weitermachen und vielleicht auch mehr tun, auch wenn die Belastung wächst. Wir dürfen schließlich nicht vergessen, dass die Stunden für die Schüler kostenlos sind."

Dennoch ist bei diesem nachhaltigen Erfolg klar, dass der Lübzer SV sein Engagement in Sachen Integration fortsetzen wird - auch wenn es nicht jedes Jahr einen Preis geben kann.



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